KOLUMNEN

12:12 | 04.03.2020
Aurelius: Gut gekontert – aber wie geht es nun weiter?

Ein Dé­jà-vu der unangenehmen Art hatten die Aktionäre der AURELIUS Equity Opportunities Ende Januar. Diesmal war es ein dubioses Researchhaus namens Ontake, dass mit einer Reihe von Verwürfen gezielt gegen die Münchner schoss, mit dem offenkundigen Ziel, den Aurelius-Aktienkurs erneut unter Druck zu bringen. Und dies ist auch gelungen – zur Freude der Shortseller, die sich zuvor zahlreich in Stellung gebracht haben.

Stellungnahme und Aktienrückkaufprogramm

Mit einer ausführlichen Stellungnahme hat Aurelius die Behauptungen von Ontake erwidert und auch größtenteils entkräftet. Nach Ansicht der Münchner basiert der Ontake Bericht auf „einer Zusammenstellung falscher, irreführender und fingierter Behauptungen, die darauf abzielen, den Kurs der AURELIUS Aktie zu manipulieren“. Eine Warnung der BaFin ließ nicht lange auf sich warten: Bereits am 4. Februar stellte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht einen Verstoß von Ontake gegen § 86 Absatz 1 des WpHG fest.

Geholfen hat dies aber nur bedingt. Das vor Veröffentlichung des Ontake-Reports erreichte Kursniveau hat die Aurelius-Aktie bisher nicht wiedergesehen. Und das trotz eines neuen Aktienrückkaufprogramms im Volumen von 30 Mio. Euro. Im Rahmen des Aktienrückkaufprogramms 2020 sollen bis zum 9. Februar 2021 insgesamt bis zu eine Million eigene Aktien von Aurelius zurückgekauft werden.

Analysten sehen hohes Kurspotenzial

Unterstützung erhält Aurelius von Analystenseite. So haben die Analysten von Berenberg im Nachgang des Shortangriffs ihre Kaufempfehlung und ihr Kursziel von 73 Euro bekräftigt. Deutlich konservativer geht zwar Baader-Helvea-Analyst Tim Dawson vor, aber auch der von ihm errechnete faire Wert der Aurelius-Aktie von 45,60 Euro entspricht gegenüber dem aktuellen Kurs noch einem Potenzial von über 70 Prozent. Leicht darüber liegt Commerzbank-Analyst Christoph Blieffert mit dem Kursziel 48 Euro. Dass die Aurelius-Aktie sich in den letzten Tagen noch weiter von diesen Zielkursen entfernt hat, liegt sicherlich weniger am Shortreport, denn vielmehr am sehr schwachen Gesamtmarkt. Aber gerade deshalb lohnt jetzt ein genauerer Blick auf die Fundamentaldaten der Gesellschaft.

Wohin geht die Reise?

Neben der fundamentalen Unterbewertung gilt auch die überdurchschnittliche Dividendenrendite als Kaufargument für die Aurelius-Aktie. Dass eine hohe Ausschüttung aber nicht zwangsläufig vor Shortangriffen schützt, hat die Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen. Im vergangenen Jahr haben die Münchner 3,00 Euro je Aktie an ihre Aktionäre ausgezahlt und Analysten rechnen auch für 2019 mit einer attraktiven Dividende. Eine Ausschüttung auf Vorjahresniveau würde einer attraktiven Rendite von über 10 % entsprechen, aber ist das tatsächlich der cleverste Weg, um sich nachhaltig attraktiv aufzustellen?

Eine sinnvolle Alternative wäre es, die Dividende auf eine Größenordnung von 1,00 bis 2,00 Euro zu beschränken und im Gegenzug sowohl das Aktienrückkaufprogramm weiter aufzustocken als auch in attraktive neue Beteiligungen zu investieren. Nur wenn die Aurelius-Maschine auch in den kommenden Quartalen und Jahren weiter auf Hochtouren läuft – sprich lukrative Exits generiert, werden Investoren wieder bereit sein, einen Aufschlag auf den NAV zu bezahlen. Dies sollte das oberste Ziel des Managements sein – weniger eine kurzfristige Optimierung der Ausschüttung, welche mittelfristig die Handlungsoptionen eher einschränken würde. Mit einer starken Kriegskasse ausgerüstet, kann sich Aurelius am besten gegen potenzielle weitere Angriffe wehren.

Ihr Christoph Martin


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