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13:57 | 23.11.2020
Hellofresh-Aktie unter Druck: JPMorgan schürt Wachstumssorgen

Beim Kochboxenversender und Corona-Krisengewinner Hellofresh fürchten die Investoren ein Ende des rasanten Wachstums. Geschürt werden diese Sorgen von einem negativen Analystenkommentar der US-Bank JPMorgan. Die Aktie gehörte daraufhin zu den schwächsten Werten im MDaxun büßte zeitweise 6,5 Prozent ein.

Der Kochboxenanbieter habe zwar von den Corona-Lockdowns massiv profitiert, schreibt Analyst Marcus Diebel von JPMorgan. Es werde jedoch ab jetzt immer schwieriger, die Anzahl von Stammkunden nennenswert weiter zu steigern.

Diebel zufolge sei nun besser absehbar, dass es bald wohl einen oder mehrere Impfstoffe gegen das Corona-Virus geben werde. Im Gegensatz zu anderen Profiteuren des Homeoffice-Trends erwartet der Analyst bei Hellofresh bei der Anzahl aktiver Kunden eine relativ schnelle und scharfe Verlangsamung des Wachstums, sobald die Lockdown-Maßnahmen aufgehoben sind.

Der JPMorgan-Fachmann verweist darauf, dass die Kundenbasis von Hellofresh aktuell zwar weitaus größer sei als zuvor, aber immer noch viele Kunden abwanderten. Zudem dürften es dem Kochboxenversender wohl schwerer fallen, neue Kunden letztlich zum Kauf zu bewegen, wenn in Zukunft zum Beispiel Restaurants wieder Gäste empfangen dürfen. Diebel hält ein Kursziel von 35 Euro für fair und signalisiert damit noch immenses Rückschlagsrisiko.

Großes Rückschlagsrisiko

Derweil will sich Hellofresh in den Vereinigten Staaten verstärken. So soll die Firma Factor75 gekauft werden. Ein entsprechender Vertrag wurde bereits abgeschlossen. Factor ist ein Anbieter von fertig zubereiteten, frischen Mahlzeiten.

Nach einem ersten Test in den USA im Jahr 2018 habe er zunächst erwartet, dass Hellofresh nach dem Ende der Pandemie und nach der Aufhebung aller Kapazitätsbeschränkungen ein eigenständiges Angebot für vollständig zubereitete Mahlzeiten entwickeln würde, schrieb Analyst Clément Genelot vom Investmenthaus Bryan Garnier. Angesichts der Umsatzentwicklung in der Corona-Krise jedoch sei Hellofresh sicherlich klar geworden, dass es auf lange Sicht nicht möglich sein dürfte, die vorhandene Logistik auf die Herstellung vollständig zubereiteter Speisen umzustellen, zumal dafür mehr Platz und Arbeitskräfte benötige würden.

Vor diesem Hinterfund hat sich Hellofresh Genelot zufolge zuletzt offen für die Möglichkeit gezeigt, einen etablierten Spieler in der Branche zu übernehmen. Synergien sollten sich aus einer besseren Ansprache bestehender Kunden ergeben, zudem könnten die Berliner auf diesem Wege den Markt für Single-Haushalte in den USA erschließen. Ferner ergäben sich auch auf der Beschaffungsseite Einsparmöglichkeiten.

Charttechnische Unterstützung bei 46 Euro

Bis vor kurzem hatten die Hellofresh-Anleger allen Grund zur Freude: Beim Rekordhoch von 56,40 Euro im Oktober hatten sich die Anteilsscheine im Jahresverlauf in etwa verdreifacht. Doch seit der Ankündigung eines ersten vielversprechenden Impfstoffkandidaten am 9. November durch die Firmen Biontech und Pfizer hinken die Papiere dem Markt hinterher.

So haben die Aktien von Hellofresh seit dem Montag vor zwei Wochen zweieinhalb Prozent verloren, während der MDax ein Plus von gut sechs Prozent schaffte. Die Aktie des Flughafenbetreibers Fraport, der besonders unter der Corona-Krise leidet, sind in diesem Zeitraum sogar um fast 43 Prozent in die Höhe geschnellt.

Aus charttechnischer Sicht waren die Hellofresh-Papiere erst am Freitag bis nahe an den Chartwiderstand um 50 Euro herangelaufen. Nach dem Rücksetzter an diesem Montag dienen nun die 21- und die 50-Tage-Durchschnittslinien als Unterstützung. Diese beschreiben den kurz- beziehungsweise mittelfristigen Trend und verlaufen bei jeweils gut 46 Euro. (dpa-AFX / Eig. Ber.)

Foto © Hellofresh


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